Trainer und Pedale messen anders — bis zu 10 % Abweichung im ERG und Power Match in WattLog.pro

Ein Smart-Trainer hält im ERG-Modus die Leistung nach seiner eigenen Messung. WattLog.pro zeichnet die Fahrt von den Leistungsmesspedalen auf, wenn sie gekoppelt sind. Den ganzen Oktober über zeigten mir diese beiden Messgeräte Unterschiedliches: je nach Tag und Minute der Fahrt von 4 % weniger bis 10 % mehr. Power Match ist die Funktion, die den Trainer so einstellt, dass die Pedale das Ziel treffen.

121,8 W
Durchschnitt der Pedale über 70 Minuten bei einem Ziel von 122 W, im ersten Training mit Power Match. Dafür bekam der Trainer in dieser Zeit Befehle zwischen 112 und 119 W.
−4…+10 %Abweichung Pedale – Trainer in meinen Fahrten im Oktober
120,7–122,7W von den Pedalen in jedem 5-Minuten-Abschnitt des Hauptblocks
2,5–8 %so viel weniger als das Ziel bekam der Trainer im Hauptblock
135–137mittlere Herzfrequenz in aufeinanderfolgenden 5-Minuten-Abschnitten

Zwei Messgeräte, zwei Zahlen

Ich fahre einen KICKR CORE mit Favero Assioma PRO Pedalen. Im ERG-Modus stellt der Trainer den Widerstand selbst so ein, dass er die Zielleistung hält. Der Haken: Diese Leistung misst er auf seine Weise. Er berechnet sie aus der Geschwindigkeit der Schwungmasse und dem Widerstand, den er selbst erzeugt. Die Pedale messen die Kraft, mit der ich auf die Kurbeln drücke. Zwei verschiedene Messungen an zwei verschiedenen Stellen des Antriebs.

Ist in WattLog.pro ein Leistungsmesser gekoppelt, wird die Fahrt von ihm aufgezeichnet, nicht vom Trainer. Das ist Absicht. Dieselben Pedale fahre ich auf der Straße, so lassen sich die Zahlen von drinnen und draußen vergleichen. Auch mein Rampentest, aus dem mein FTP von 193 W stammt, lief über die Pedale. Aus diesem FTP berechnen sich die Zonen, die Ziele in den Plänen, der TSS und der ganze Reiter Form. Alles beruht auf dem Wert der Pedale.

Der Trainer weiß davon nichts. Er bekommt „122 W“, hält seine 122 W und ist überzeugt, gute Arbeit zu leisten. Das Cockpit zeigt mir aber die Leistung der Pedale. Sagen die Pedale 130 W, sehe ich den ganzen Block über eine Zahl neben der Zone, und im ERG kann ich nichts dagegen tun, denn die Leistung stelle nicht ich ein. Genau so sahen meine Trainings in den letzten Wochen aus.

Woher die Abweichung kommt

Wie groß sie bei mir war

Ich habe meine ERG-Fahrten im Oktober durchgesehen, bei denen die Pedale gekoppelt waren. Denselben Plan („Endurance & Fat-Max Flush“, 70 Minuten in Z2) bin ich dreimal gefahren, so habe ich auch einen Vergleich unter gleichen Bedingungen.

FahrtPlanPedale gegenüber ERG-Ziel
9.10.Endurance & Fat-Max Flush, Z2+1,1 % im Mittel; erste 5 min +4,8 %
25.10.Endurance & Fat-Max Flush, Z2+2,4 % im Mittel; erste 5 min +5,2 %
30.10.kurze Testfahrt, nach Spindown und Nullabgleich+9,7 %
31.10.lange Fahrt mit drei Tempo-Blöckenerste 2 min +8 %; Tempo 160 W: −3,9 %, −1,3 %, −0,4 %; Z2 127 W: −0,2 %, +2,3 %, +2,5 %
1.11.Endurance & Fat-Max Flush, mit Power Match−0,2 % im Mittel im Hauptblock

Das Fazit lautet nicht „der Trainer misst 10 % zu wenig“. Die Abweichung ändert sich von Tag zu Tag, während der Fahrt und mit der Leistung. Am 31. Oktober ging sie in einem einzigen Training von +8 % beim Aufwärmen über −4 % im ersten Tempo-Block bis +2,5 % im letzten Z2-Abschnitt. Eine feste Korrektur wie „5 % abziehen“ würde in manchen Minuten helfen und in anderen schaden. Die Korrektur muss während der Fahrt lernen.

Wie Power Match funktioniert

Power Match vergleicht, was die Pedale anzeigen, mit dem, was der Server dem Trainer vorgegeben hat, und berechnet daraus ein Verhältnis. Dann schickt es dem Trainer das Ziel geteilt durch dieses Verhältnis. Zeigen die Pedale 5 % mehr als der Trainer, bekommt der Trainer 5 % weniger, und die Pedale treffen das Ziel.

Das Ziel im Cockpit ändert sich nicht: Der Plan sagt 122 W, das Cockpit zeigt 122 W, und dieses Ziel bleibt in der gespeicherten Fahrt. Unter dem Ziel erscheint ein kleiner Hinweis „Power Match: Trainer auf 116 W“, damit man sieht, was der Trainer tatsächlich bekommen hat.

Wo es greift und wo nicht

Power Match korrigiert das ERG-Ziel. Es wirkt also nur dort, wo der Trainer ein Ziel in Watt bekommt. Wo es kein Ziel gibt, gibt es nichts anzugleichen.

ModusPower MatchWarum
Training aus einem Plan oder der Bibliothek, ERG anjajeder Schritt hat ein Ziel in Watt, das der Trainer selbst hält
Route in ein ERG-Training umgewandeltjanach der Umwandlung ist es ein normales Training mit Leistungszielen
Rampentestneingegen Ende der Rampe lässt du nach, und die Pedale zeigen weniger als das Ziel. Power Match würde das für eine Messabweichung halten und den Widerstand im ungünstigsten Moment erhöhen. Der FTP wird ohnehin aus den Pedalen berechnet (75 % der besten Minute), die Korrektur brächte hier also wenig
Critical-Power-Test (CP)teilweisenur Aufwärmen, Pause und Ausfahren. Die beiden All-out-Anstrengungen (3 und 12 min) fährst du ohne ERG, selbst, das Ergebnis hängt also nicht vom Trainer ab
Routenfahrt (Steigungssimulation)neinder Trainer stellt den Widerstand nach der Steigung ein, die Leistung liegt bei dir
Free Rideneinkein Leistungsziel, du entscheidest selbst, wie hart du fährst
„Freier“ Schritt im Training, Pause, ERG ausneinin diesem Moment hält der Trainer kein Ziel

In Modi ohne Ziel entscheidet der Trainer nicht über die Leistung, seine Messung beeinflusst das Training also nicht. Aufgezeichnet wird ohnehin die Leistung der Pedale.

Die ganze Rechnung läuft auf dem Server, an den Trainer gehen einfach andere Watt. Deshalb funktioniert Power Match über jede Verbindung: im Browser, in der Desktop-App und auf dem Handy, ohne App-Update. Die Funktion ist standardmäßig an und greift von selbst, sobald ein Leistungsmesser gekoppelt ist. Abschalten lässt sie sich unter Einstellungen → Trainer → Power Match.

Die erste Fahrt mit Power Match

Am 1. November bin ich denselben Plan zum dritten Mal gefahren: 10 Minuten Aufwärmen von 46 auf 63 % FTP, 70 Minuten bei 63 % FTP, also 122 W, und 10 Minuten Ausfahren.

Fahrt am 1. November: Pedalleistung, Planziel und Trainerbefehl im Verlauf 70 80 90 100 110 120 130 0 15 30 45 60 75 90 min 0–2 min: Pedale 107 W 2–4 min: Pedale 99 W 4–6 min: Pedale 104 W 6–8 min: Pedale 110 W 8–10 min: Pedale 117 W 10–12 min: Pedale 122 W 12–14 min: Pedale 121 W 14–16 min: Pedale 121 W 16–18 min: Pedale 122 W 18–20 min: Pedale 122 W 20–22 min: Pedale 121 W 22–24 min: Pedale 122 W 24–26 min: Pedale 121 W 26–28 min: Pedale 124 W 28–30 min: Pedale 121 W 30–32 min: Pedale 120 W 32–34 min: Pedale 123 W 34–36 min: Pedale 122 W 36–38 min: Pedale 124 W 38–40 min: Pedale 121 W 40–42 min: Pedale 122 W 42–44 min: Pedale 122 W 44–46 min: Pedale 123 W 46–48 min: Pedale 124 W 48–50 min: Pedale 121 W 50–52 min: Pedale 123 W 52–54 min: Pedale 121 W 54–56 min: Pedale 121 W 56–58 min: Pedale 121 W 58–60 min: Pedale 124 W 60–62 min: Pedale 120 W 62–64 min: Pedale 120 W 64–66 min: Pedale 123 W 66–68 min: Pedale 121 W 68–70 min: Pedale 121 W 70–72 min: Pedale 122 W 72–74 min: Pedale 122 W 74–76 min: Pedale 120 W 76–78 min: Pedale 122 W 78–80 min: Pedale 121 W 80–82 min: Pedale 108 W 82–84 min: Pedale 102 W 84–86 min: Pedale 94 W 86–88 min: Pedale 88 W 88–90 min: Pedale 81 W Pedale ~122 W Ziel 122 W Trainer 114–119 W
Fahrt am 1. November, Leistung in Watt. Im Hauptblock lag das Ziel bei 122 W, der Trainer bekam 112–119 W. Die Pedale blieben 70 Minuten lang bei 120–123 W.

Die erste Minute zeigt, wozu die Funktion da ist. Bevor Power Match genug Daten hatte, hielt der Trainer 90 W, während die Pedale im Mittel 109 W zeigten, also 22 % mehr. Die erste Korrektur schickte der Server nach anderthalb Minuten. Ab da lagen die Befehle an den Trainer unter dem Plan.

Zu Beginn des Hauptblocks bekam der Trainer 112 W, 8 % weniger als das Ziel. Anfangs wärmten sich der Trainer, der Antrieb und ich auf: Meine Trittfrequenz stieg von 83 U/min in den ersten Minuten auf 96 U/min und blieb dann dort. Die Abweichung wurde kleiner und die Korrektur mit ihr: Für den Rest des Blocks lagen die Befehle zwischen 114 und 119 W. Die Pedale bewegten sich in dieser Zeit kaum. Der Mittelwert über 70 Minuten betrug 121,8 W, und jeder 5-Minuten-Abschnitt lag zwischen 120,7 und 122,7 W. Die Herzfrequenz in 5-Minuten-Abschnitten blieb zwischen 135 und 137 Schlägen, ohne Drift bis zum Ende des Blocks.

Wie es sich angefühlt hat. Frühere Trainings kamen mir härter vor, als sie hätten sein sollen, und die Leistung im Cockpit wollte oft nicht in der Zone bleiben. Heute war es ruhiger: Die Zahl auf dem Bildschirm stand dort, wo das Ziel war.

Was das nicht beweist

Was ich daraus mitnehme

Den ganzen Oktober hielt ERG die Leistung nach dem Trainer, während ich auf die Leistung der Pedale schaute und mich wunderte, warum sie nicht in der Zone blieb. Die Abweichung war an manchen Tagen klein und an anderen groß, am größten immer zu Beginn. Power Match rät nicht, welches Messgerät recht hat. Es stellt den Trainer so ein, dass das Messgerät, aus dem ich FTP und Zonen berechne, das Ziel hält. In der ersten Fahrt ergaben 70 Minuten bei 122 W an den Pedalen 121,8 W.

Wenn du mit Leistungsmesspedalen oder einer Leistungsmesskurbel auf einem ERG-Trainer trainierst, lohnt es sich zu prüfen, ob beide Geräte dasselbe sagen. Meine Daten sagen: nein. Mehr dazu, woher die Zonen kommen, im Artikel über den Rampentest und den 3+1-Plan und im Leitfaden zu den Leistungszonen.

Quellen

  1. Spicer JB, Richardson CJK, Ehrlich MJ, Bernstein JR, Fukuda M, Terada M. Effects of frictional loss on bicycle chain drive efficiency. J Mech Des. 2001;123(4):598–605.
  2. Maier T, Schmid L, Müller B, Steiner T, Wehrlin JP. Accuracy of cycling power meters against a mathematical model of treadmill cycling. Int J Sports Med. 2017;38(6):456–461.

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