Trainer und Pedale messen anders — bis zu 10 % Abweichung im ERG und Power Match in WattLog.pro
Ein Smart-Trainer hält im ERG-Modus die Leistung nach seiner eigenen Messung. WattLog.pro zeichnet die Fahrt von den Leistungsmesspedalen auf, wenn sie gekoppelt sind. Den ganzen Oktober über zeigten mir diese beiden Messgeräte Unterschiedliches: je nach Tag und Minute der Fahrt von 4 % weniger bis 10 % mehr. Power Match ist die Funktion, die den Trainer so einstellt, dass die Pedale das Ziel treffen.
Zwei Messgeräte, zwei Zahlen
Ich fahre einen KICKR CORE mit Favero Assioma PRO Pedalen. Im ERG-Modus stellt der Trainer den Widerstand selbst so ein, dass er die Zielleistung hält. Der Haken: Diese Leistung misst er auf seine Weise. Er berechnet sie aus der Geschwindigkeit der Schwungmasse und dem Widerstand, den er selbst erzeugt. Die Pedale messen die Kraft, mit der ich auf die Kurbeln drücke. Zwei verschiedene Messungen an zwei verschiedenen Stellen des Antriebs.
Ist in WattLog.pro ein Leistungsmesser gekoppelt, wird die Fahrt von ihm aufgezeichnet, nicht vom Trainer. Das ist Absicht. Dieselben Pedale fahre ich auf der Straße, so lassen sich die Zahlen von drinnen und draußen vergleichen. Auch mein Rampentest, aus dem mein FTP von 193 W stammt, lief über die Pedale. Aus diesem FTP berechnen sich die Zonen, die Ziele in den Plänen, der TSS und der ganze Reiter Form. Alles beruht auf dem Wert der Pedale.
Der Trainer weiß davon nichts. Er bekommt „122 W“, hält seine 122 W und ist überzeugt, gute Arbeit zu leisten. Das Cockpit zeigt mir aber die Leistung der Pedale. Sagen die Pedale 130 W, sehe ich den ganzen Block über eine Zahl neben der Zone, und im ERG kann ich nichts dagegen tun, denn die Leistung stelle nicht ich ein. Genau so sahen meine Trainings in den letzten Wochen aus.
Woher die Abweichung kommt
- Ein anderer Messpunkt. Pedale messen die Leistung vor der Kette, ein Direct-Drive-Trainer hinter der Kassette. Dazwischen liegen Verluste an Kette und Schaltwerk. In Laborversuchen lag der Wirkungsgrad eines Kettenantriebs zwischen etwa 81 % und fast 99 %, abhängig von Gang, Kettenspannung und Leistung [1]. Ein paar Prozent „mehr“ an den Pedalen sind also normal.
- Die Genauigkeit beider Geräte. Wahoo gibt für den KICKR CORE ±2 % an, Favero für die Assioma ±1 %. Im Extremfall sind das schon 3 %, ohne dass etwas defekt ist. Wie man so eine Abweichung im Diagramm liest, habe ich in „Rollentrainer vs. Pedale — wem beim Lesen des Diagramms trauen?“ beschrieben. Als man Leistungsmesser mit einer unabhängigen Referenz verglich, wichen einige um mehrere Prozent davon ab [2].
- Temperatur und Aufwärmen. Ein Trainer schätzt die Leistung aus einem Modell, und das Modell verschiebt sich, wenn Lager, Riemen und Magnete warm werden. In meinen Daten war die Abweichung immer in den ersten Minuten der Fahrt am größten und wurde in der ersten halben Stunde kleiner.
- Kalibrierung. Spindown des Trainers und Nullabgleich der Pedale verringern die Abweichung, beseitigen sie aber nicht. Am 30. Oktober habe ich beides gemacht, und in einer kurzen Testfahrt hielt der KICKR trotzdem 106 W, während die Assioma 9,7 % mehr anzeigte.
Wie groß sie bei mir war
Ich habe meine ERG-Fahrten im Oktober durchgesehen, bei denen die Pedale gekoppelt waren. Denselben Plan („Endurance & Fat-Max Flush“, 70 Minuten in Z2) bin ich dreimal gefahren, so habe ich auch einen Vergleich unter gleichen Bedingungen.
| Fahrt | Plan | Pedale gegenüber ERG-Ziel |
|---|---|---|
| 9.10. | Endurance & Fat-Max Flush, Z2 | +1,1 % im Mittel; erste 5 min +4,8 % |
| 25.10. | Endurance & Fat-Max Flush, Z2 | +2,4 % im Mittel; erste 5 min +5,2 % |
| 30.10. | kurze Testfahrt, nach Spindown und Nullabgleich | +9,7 % |
| 31.10. | lange Fahrt mit drei Tempo-Blöcken | erste 2 min +8 %; Tempo 160 W: −3,9 %, −1,3 %, −0,4 %; Z2 127 W: −0,2 %, +2,3 %, +2,5 % |
| 1.11. | Endurance & Fat-Max Flush, mit Power Match | −0,2 % im Mittel im Hauptblock |
Das Fazit lautet nicht „der Trainer misst 10 % zu wenig“. Die Abweichung ändert sich von Tag zu Tag, während der Fahrt und mit der Leistung. Am 31. Oktober ging sie in einem einzigen Training von +8 % beim Aufwärmen über −4 % im ersten Tempo-Block bis +2,5 % im letzten Z2-Abschnitt. Eine feste Korrektur wie „5 % abziehen“ würde in manchen Minuten helfen und in anderen schaden. Die Korrektur muss während der Fahrt lernen.
Wie Power Match funktioniert
Power Match vergleicht, was die Pedale anzeigen, mit dem, was der Server dem Trainer vorgegeben hat, und berechnet daraus ein Verhältnis. Dann schickt es dem Trainer das Ziel geteilt durch dieses Verhältnis. Zeigen die Pedale 5 % mehr als der Trainer, bekommt der Trainer 5 % weniger, und die Pedale treffen das Ziel.
- Es lernt nur aus gleichmäßigem Fahren. Nach jeder Zieländerung wartet es 20 Sekunden, bis Trainer und Beine sich eingependelt haben. Messwerte, die mehr als 25 % vom Befehl abweichen, ignoriert es, denn das ist ein Halt, ein Sprint oder ein Einbruch der Trittfrequenz, kein Kalibrierungsunterschied. Unter 50 W zählt es ebenfalls nichts.
- Es rechnet mit der letzten Minute. Das Verhältnis stammt aus den letzten 60 Messwerten, die erste Korrektur geht erst nach 30 hinaus.
- Es ändert sich in Stufen, nicht jede Sekunde. Ein neues Ziel geht erst dann an den Trainer, wenn der Unterschied 2 % übersteigt. Sonst bekäme der Trainer wegen gewöhnlichen Rauschens ständig ein neues Ziel.
- Es ist auf ±15 % begrenzt. Eine größere Abweichung ist ein Fehler: leere Batterie, lockeres Pedal, fehlende Kalibrierung. So etwas muss man beheben, nicht verdecken.
Das Ziel im Cockpit ändert sich nicht: Der Plan sagt 122 W, das Cockpit zeigt 122 W, und dieses Ziel bleibt in der gespeicherten Fahrt. Unter dem Ziel erscheint ein kleiner Hinweis „Power Match: Trainer auf 116 W“, damit man sieht, was der Trainer tatsächlich bekommen hat.
Wo es greift und wo nicht
Power Match korrigiert das ERG-Ziel. Es wirkt also nur dort, wo der Trainer ein Ziel in Watt bekommt. Wo es kein Ziel gibt, gibt es nichts anzugleichen.
| Modus | Power Match | Warum |
|---|---|---|
| Training aus einem Plan oder der Bibliothek, ERG an | ja | jeder Schritt hat ein Ziel in Watt, das der Trainer selbst hält |
| Route in ein ERG-Training umgewandelt | ja | nach der Umwandlung ist es ein normales Training mit Leistungszielen |
| Rampentest | nein | gegen Ende der Rampe lässt du nach, und die Pedale zeigen weniger als das Ziel. Power Match würde das für eine Messabweichung halten und den Widerstand im ungünstigsten Moment erhöhen. Der FTP wird ohnehin aus den Pedalen berechnet (75 % der besten Minute), die Korrektur brächte hier also wenig |
| Critical-Power-Test (CP) | teilweise | nur Aufwärmen, Pause und Ausfahren. Die beiden All-out-Anstrengungen (3 und 12 min) fährst du ohne ERG, selbst, das Ergebnis hängt also nicht vom Trainer ab |
| Routenfahrt (Steigungssimulation) | nein | der Trainer stellt den Widerstand nach der Steigung ein, die Leistung liegt bei dir |
| Free Ride | nein | kein Leistungsziel, du entscheidest selbst, wie hart du fährst |
| „Freier“ Schritt im Training, Pause, ERG aus | nein | in diesem Moment hält der Trainer kein Ziel |
In Modi ohne Ziel entscheidet der Trainer nicht über die Leistung, seine Messung beeinflusst das Training also nicht. Aufgezeichnet wird ohnehin die Leistung der Pedale.
Die ganze Rechnung läuft auf dem Server, an den Trainer gehen einfach andere Watt. Deshalb funktioniert Power Match über jede Verbindung: im Browser, in der Desktop-App und auf dem Handy, ohne App-Update. Die Funktion ist standardmäßig an und greift von selbst, sobald ein Leistungsmesser gekoppelt ist. Abschalten lässt sie sich unter Einstellungen → Trainer → Power Match.
Die erste Fahrt mit Power Match
Am 1. November bin ich denselben Plan zum dritten Mal gefahren: 10 Minuten Aufwärmen von 46 auf 63 % FTP, 70 Minuten bei 63 % FTP, also 122 W, und 10 Minuten Ausfahren.
Die erste Minute zeigt, wozu die Funktion da ist. Bevor Power Match genug Daten hatte, hielt der Trainer 90 W, während die Pedale im Mittel 109 W zeigten, also 22 % mehr. Die erste Korrektur schickte der Server nach anderthalb Minuten. Ab da lagen die Befehle an den Trainer unter dem Plan.
Zu Beginn des Hauptblocks bekam der Trainer 112 W, 8 % weniger als das Ziel. Anfangs wärmten sich der Trainer, der Antrieb und ich auf: Meine Trittfrequenz stieg von 83 U/min in den ersten Minuten auf 96 U/min und blieb dann dort. Die Abweichung wurde kleiner und die Korrektur mit ihr: Für den Rest des Blocks lagen die Befehle zwischen 114 und 119 W. Die Pedale bewegten sich in dieser Zeit kaum. Der Mittelwert über 70 Minuten betrug 121,8 W, und jeder 5-Minuten-Abschnitt lag zwischen 120,7 und 122,7 W. Die Herzfrequenz in 5-Minuten-Abschnitten blieb zwischen 135 und 137 Schlägen, ohne Drift bis zum Ende des Blocks.
Wie es sich angefühlt hat. Frühere Trainings kamen mir härter vor, als sie hätten sein sollen, und die Leistung im Cockpit wollte oft nicht in der Zone bleiben. Heute war es ruhiger: Die Zahl auf dem Bildschirm stand dort, wo das Ziel war.
Was das nicht beweist
- Welches Messgerät recht hat, weiß man nicht. Power Match macht die Leistung nicht „wahr“. Es sorgt dafür, dass der Trainer mit dem Messgerät übereinstimmt, von dem ich Fahrten aufzeichne und den FTP berechne. Wenn die Pedale falsch messen, dann konsequent, und die Zonen sind ohnehin aus ihnen berechnet, das Training trifft also die beabsichtigte Intensität.
- Es ist eine einzige Fahrt. Denselben Plan bin ich vorher mit einem anderen Ziel im Hauptblock gefahren (63→68 % und 63→70 % FTP, am 9. Oktober noch bei einem FTP von 184), die Herzfrequenz dieser Fahrten lässt sich also nicht direkt mit der heutigen vergleichen.
- Die Messabweichung erklärt nicht alles. In zwei Fahrten desselben Plans zeigten die Pedale im Mittel 1–2,5 % mehr als das Ziel. Das ist zu wenig, um das ganze Gefühl „zu hart“ auf den Trainer zu schieben. Größere Abweichungen gab es am Anfang der Fahrten und an einzelnen Tagen.
- Es unterscheidet Ermüdung nicht von einer Messabweichung. Lässt du nach und zeigen die Pedale weniger als das Ziel, hält Power Match das für einen Unterschied zwischen den Messgeräten und erhöht den Widerstand. In einem Z2-Training kommt das praktisch nicht vor, im Rampentest, der planmäßig in der Erschöpfung endet, schon. Ich habe meinen Rampentest aus dem Oktober durch den Schätzer laufen lassen: Auf der letzten Stufe hätte er den Trainer 15 Sekunden vor dem Ende von 252 auf 256 W angehoben. Deshalb ist Power Match im Rampentest abgeschaltet.
- Die erste Minute ist unkorrigiert. Power Match braucht gleichmäßiges Fahren, um etwas zu lernen. Bei jeder Fahrt fängt es bei null an, weil die Abweichung jeden Tag anders ist.
- Die Korrektur springt noch ein wenig. Im Hauptblock bekam der Trainer in 70 Minuten 14-mal ein neues Ziel, meist 2–3 W nach oben oder unten. An den Pedalen sieht man das nicht, aber die Schwelle lässt sich noch abstimmen.
Was ich daraus mitnehme
Den ganzen Oktober hielt ERG die Leistung nach dem Trainer, während ich auf die Leistung der Pedale schaute und mich wunderte, warum sie nicht in der Zone blieb. Die Abweichung war an manchen Tagen klein und an anderen groß, am größten immer zu Beginn. Power Match rät nicht, welches Messgerät recht hat. Es stellt den Trainer so ein, dass das Messgerät, aus dem ich FTP und Zonen berechne, das Ziel hält. In der ersten Fahrt ergaben 70 Minuten bei 122 W an den Pedalen 121,8 W.
Wenn du mit Leistungsmesspedalen oder einer Leistungsmesskurbel auf einem ERG-Trainer trainierst, lohnt es sich zu prüfen, ob beide Geräte dasselbe sagen. Meine Daten sagen: nein. Mehr dazu, woher die Zonen kommen, im Artikel über den Rampentest und den 3+1-Plan und im Leitfaden zu den Leistungszonen.
Quellen
- Spicer JB, Richardson CJK, Ehrlich MJ, Bernstein JR, Fukuda M, Terada M. Effects of frictional loss on bicycle chain drive efficiency. J Mech Des. 2001;123(4):598–605.
- Maier T, Schmid L, Müller B, Steiner T, Wehrlin JP. Accuracy of cycling power meters against a mathematical model of treadmill cycling. Int J Sports Med. 2017;38(6):456–461.
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