Ramp Test oder 20-Minuten-Test — welcher FTP-Test passt zu dir?

Zwei Tests dominieren die FTP-Messung: der klassische 20-Minuten-Test und der neuere Ramp Test. Beide liefern am Ende eine Zahl — unterscheiden sich auf dem Weg dorthin aber in fast allem: Taktik, Leidensdauer, Wiederholbarkeit und der Frage, für welchen Fahrertyp sie zuverlässig sind. Der Vergleich, Punkt für Punkt.

Die beiden Protokolle in Kürze

Der direkte Vergleich

Ramp Test20-Minuten-Test
Gesamtdauer25–30 min60–75 min
Taktik / Pacingüberflüssig — Widerstand steigt von selbstentscheidend — falscher Start ruiniert den Test
Leidensdauerdie letzten 2–3 Minutenvolle 20 Minuten
Erfahrung nötigkeineviel (Krafteinteilung)
Wiederholbarkeithochabhängig von Tagesform und Taktik
Ermüdung danachgering — am nächsten Tag trainierbarhoch — lockerer Tag danach nötig
Bevorzugter Fahrertypanaerobe Fahrer (überschätzt)Diesel / Zeitfahrertyp

Warum Pacing den 20-Minuten-Test ruiniert

Das häufigste Drehbuch eines missglückten 20-Minuten-Tests: die ersten 5 Minuten mit Adrenalin 20–30 W zu hart, in Minute 12 der Einbruch, die letzten Minuten reines Überleben. Der Schnitt liegt am Ende unter dem tatsächlichen Können — und der komplette Trainingsplan läuft danach auf zu niedrigen Zonen. Die richtige Krafteinteilung will gelernt sein, und jeder Lernversuch ist eine harte, frustrierende Einheit.

Der Ramp Test eliminiert dieses Problem per Definition: Du triffst keine einzige Tempoentscheidung. Du hältst die Trittfrequenz, der Widerstand steigt von allein, der Test endet, wenn die Beine enden. Man kann ihn kaum „falsch fahren“ — deshalb sind die Ergebnisse zwischen den Tests deutlich besser vergleichbar.

Aber auch der Ramp Test hat eine Schwäche

Das Finale des Ramp Tests ist stark anaerob. Ein Fahrer mit kräftigem Sprint „schleppt“ sich 1–2 Stufen über seine echte Schwelle — und bekommt ein um 5–10 % überhöhtes FTP. Der typische Diesel steigt dagegen früh aus und wird unterschätzt. Wie du deinen Fall erkennst und das Ergebnis korrigierst, erklären wir im Artikel über die Interpretation des Ramp-Test-Ergebnisses.

Der 20-Minuten-Test verhält sich spiegelbildlich: Der lange, gleichmäßige Effort belohnt die aerobe Basis. Für Zeitfahrer und Triathleten liegt er deshalb oft näher an der Wahrheit — vorausgesetzt, sie beherrschen das Pacing.

Welcher Test für wen? Die einfache Regel

Beide Tests messen dasselbe auf indirektem Weg. Wer die Methoden vergleichen will: beide im Abstand einer Woche mit frischen Beinen fahren — die Differenz verrät mehr über dein Fahrerprofil als jeder Artikel.

Das Wichtigste: ein Test, konsequent

Ein größerer Fehler als der „falsche“ Test ist das Mischen der Methoden. FTP aus dem Ramp Test und FTP aus dem 20-Minuten-Test sind leicht unterschiedliche Zahlen — das Hin- und Herspringen zerstört die Vergleichbarkeit und deine Formkurven. Wähle ein Protokoll, fahre es alle 4–6 Wochen unter ähnlichen Bedingungen und verfolge den Trend in deinen Leistungszonen. Konsequenz, nicht das Protokoll, macht aus dem FTP ein brauchbares Werkzeug.

Der Ramp Test ist in WattLog.pro eingebaut

WattLog.pro steuert den Ramp Test auf deinem Smarttrainer — FTP und Leistungszonen werden direkt nach dem Abbruch automatisch berechnet.

WattLog.pro kostenlos testen →

← Alle Blogbeiträge